Circa 900 Menschen, darunter viele Kinder, frieren hungrig und ohne Perspektive im Flüchtlingslager Lipa, in Bosnien, genau in diesem Augenblick, wo ihr gerade diesen Text lest. Sie sind draußen, in diesen Wintertagen bei Minusgraden. Sie müssen dringend  in sichere Unterkünfte gebracht werden!

Die Lebensbedingungen in Lipa waren schon lange inakzeptabel, so dass das Lager wurde kurz vor Weihnachten aufgelöst wurde. Aber wohin mit den Menschen? Es gibt keine andere Bleibe. Geplant war es, die Migranten und Geflüchtete nach Bihac zu bringen, aber die Bürger und lokale Politiker organisierten Proteste und die Stadt weigert sich, die Migranten aufzunehmen. Die Busse haben Bihac nicht erreicht. Zurück in Lipa, ging das Chaos erst richtig los.

Medienberichten zufolge gibt es dort weder sanitären Anlagen oder einen trockenen Schlafenplatz noch Möglichkeiten zum Kochen. Die Armee hat vor kurzem als vorläufige Lösung Zelte aufgebaut, die im Dauerregen allerdings feucht und nass werden. Eine bessere Lösung ist nicht in Sicht, obwohl die Europäische Union die Lage der Flüchtlinge in Bosnien bereits als „alarmierend“ bezeichnet hat.

Das alles klingt für viele auf den ersten Blick vielleicht abstrakt und ganz weit weg.
Aber auch wenn wir besseres Glück haben und durch Corona weltweit eine Notsituation ist, müssen wir das Wort „Solidarität“ mehr als je zuvor anwenden und über den eigenen Tellerrand schauen.

Die Gesellschaft muss Haltung zeigen gerade in dem Moment, wo Politiker sich gegen die Aufnahme der Geflüchteten weiter aussprechen. Wir als Teil der Gesellschaft müssen dann noch mehr Haltung zeigen. Wir haben Platz! Wir können eine zentrale Rolle in der humanitären Hilfe spielen. Ja, wir lassen niemanden zurück! Deshalb schließt sich das IBZ Friedenshaus e.V. dem Aufruf verschiedener humanitärer Organisationen an, die aktuell für die Geflüchteten in Lipa sind. Genau wie wir uns für Moria positioniert haben, ist unsere Forderung klar und deutlich: evakuiert menschenunwürdige Aufnahmen Lager wie Moria und Lipa – überall!

Wir sind in Deutschland. Und jetzt? Was können wir als Bürger*innen tun? Als Migrant*innenselbstorganisation bringen wir das Thema zur Debatte, um Aufmerksamkeit darauf zu machen. Wir unterstützen den Appel von Organisationen wie Deutsches Rotes Kreuz und Aktion Deutschland hilft. Sie brauchen dringend Spender!

Wir schauen nicht weg. Und ihr?

Euer IBZ