Seit wenigen Tagen wurden die größten Proteste seit vielen Jahren in Senegal ausgelöst. Im Internet und auf den Sozialen Netzwerken hat sich der Hashtag #Free Senegal schnell verbreitet, sowie Videos der Zusammenstöße der Jugendlichen mit Polizisten, die mit Tränengas und scharfer Munition zurückschlagen. Schulen, Banken, öffentliche Gebäude und Supermärkte sind geschlossen. Das Internet und Übertragungen der Fernsehsender wurden drei Tage lange unterbrochen und es gab zahlreiche Verhaftungen.

Die Unruhen herrschen besonders in der Hauptstadt Dakar und Casamce. Aber was ist eigentlich passiert? Senegal gilt als eine der stabilsten Demokratien in Westafrika. Die Anklage eines führenden Oppositionspolitikers, Ousmane Sonko löste die Proteste am vergangenen Mittwoch aus, zudem heizen die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Unzufriedenheit im Land weiter an.

Laut Medienberichten, kommt der 46 Jahre alte Oppositionspolitiker Ousmane Sonko insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung gut an. Er hatte bereits bei den Wahlen 2019 kandidiert und war auf dem dritten Platz gelandet. Viele halten ihn bei den Wahlen 2024 für den schärfsten Konkurrenten des Präsidenten.

„Am Montag (08.03.21) erschien er vor Gericht, angeklagt wegen Vergewaltigung einer Mitarbeiterin eines Massagesalons und Störung der öffentlichen Ordnung. Sonko selbst bestreitet die Vorwürfe, nennt die Anklage politisch motiviert. In ähnlicher Weise habe die Regierung vor den vergangenen Wahlen Herausforderer von einer Kandidatur abgehalten“, berichtet die Frankfurt Allgemein Zeitung.

Berichten aus WhatsApp Gruppen melden, dass die Situation eskalieren kann. Da weitere Demonstrationen geplant sind: Am Freitag, 12.03, sammeln sich einige für einen Trauertag für die über 10 Menschen, die schon gestorben sind. Am Samstag ist noch ein weiterer friedlicher Protest geplant.

Das IBZ Friedenshaus e.V. ruft auf, dass die Regierung und die Polizeikräfte zu jeder Zeit nach den geltenden internationalen Menschenrechtsstandards handeln. Wir verfolgen die Situation weiter und werden wieder über aktuelle Geschehnisse in Senegal berichten.